Von Etsy zum eigenen Onlineshop: Wann lohnt sich der Umzug?
Von Norman, storeondemand · veröffentlicht am
Kurz gesagt
Auf Etsy zahlst du in Deutschland 6,5 % Transaktionsgebühr, 4 % + 0,30 € für die Zahlungsabwicklung und 0,20 USD je Einstellung, bei Offsite Ads zusätzlich 12 bis 15 %. Ein eigener Shop mit Stripe kostet 1,5 % + 0,25 € pro Kartenzahlung, bringt aber keine Käufer mit. Der Umzug lohnt sich, sobald du eigene Besucher gewinnen kannst.
Welche Gebühren verlangt Etsy von Verkäufern in Deutschland?
Alle Werte stammen aus Etsys Richtlinie zu Gebühren und Zahlungen (zuletzt aktualisiert am 05.10.2026) und der Richtlinie für Etsy Payments. Etsy nennt alle Gebühren ohne Umsatzsteuer.
Zur Transaktionsgebühr schreibt Etsy: „Wenn du etwas über Etsy.com verkaufst, wird dir eine Transaktionsgebühr von 6,5 % des Preises, den du für den jeweiligen Artikel anzeigst, plus dem Betrag, den du für Versand und Geschenkverpackung verlangst, berechnet.“ Die Gebühr fällt also auch auf die Versandkosten an.
| Gebühr | Höhe | Worauf |
|---|---|---|
| Einstellgebühr | 0,20 USD | je Artikel für 4 Monate, bei mehrfacher Stückzahl erneut nach jedem Verkauf |
| Transaktionsgebühr | 6,5 % | Artikelpreis inkl. Steuern, Versand und Geschenkverpackung |
| Zahlungsabwicklung (Bankkonto in Deutschland) | 4 % + 0,30 € | Gesamtbetrag des Kaufs inkl. Steuern und Versand |
| Offsite Ads | 15 % bzw. 12 % | zugeschriebene Bestellungen, höchstens 100 USD je Bestellung |
| Währungsumrechnung | 2,5 % | nur wenn Shop-Währung und Zahlkonto-Währung abweichen |
| Einrichtungsgebühr | eventuell einmalig | Höhe wird bei der Shop-Eröffnung angezeigt |
Wann werden Offsite Ads zur Pflicht?
Bei Offsite Ads schaltet Etsy Werbung für deine Artikel auf externen Seiten. Kauft jemand innerhalb von 30 Tagen nach einem Klick, zahlst du eine Werbegebühr. Liegt dein Umsatz der letzten 365 Tage unter 10.000 USD, beträgt sie 15 %, und du kannst dich abmelden.
Ab 10.000 USD Umsatz in 365 Tagen sinkt der Satz auf 12 %, die Teilnahme ist dann aber Pflicht. Laut Etsy-Gebührenrichtlinie gilt der Satz von 12 % danach für die gesamte Lebensdauer des Shops, auch wenn der Umsatz später wieder sinkt. Ein früheres Opt-out verfällt.
Rechenbeispiel: Was kostet Etsy bei 2.000 € Monatsumsatz?
Annahme: 50 Bestellungen à 40 € inklusive Versand, Artikel mit mehrfacher Stückzahl, 60 Artikel im Shop, Bankkonto in Deutschland.
Transaktionsgebühr: 6,5 % von 2.000 € = 130 €. Zahlungsabwicklung: 4 % von 2.000 € (80 €) + 50 × 0,30 € (15 €) = 95 €. Einstellgebühren: 50 Erneuerungen nach Verkauf plus 15 reguläre Erneuerungen (60 Artikel alle 4 Monate) = 65 × 0,20 USD = 13 USD, umgerechnet geschätzt rund 11 €. Summe: rund 236 € im Monat, also knapp 12 % vom Umsatz.
Kommen 10 % deines Umsatzes über Offsite Ads, fallen auf diese 200 € weitere 15 % an, also 30 €. Dann liegst du bei rund 266 € im Monat. Derselbe Umsatz über einen eigenen Shop mit Stripe kostet 1,5 % von 2.000 € (30 €) + 50 × 0,25 € (12,50 €) = 42,50 € an Zahlungsgebühren (Stripe-Preisseite).
Ab welchem Umsatz ist ein eigener Shop günstiger?
Pro Bestellung zahlst du auf Etsy rund 10,5 % plus 0,30 € plus 0,20 USD, im eigenen Shop mit Stripe 1,5 % plus 0,25 €. Der Unterschied liegt bei etwa 9 % des Umsatzes plus rund 0,22 € je Bestellung (geschätzt, abhängig vom Dollarkurs). Bei 40 € pro Bestellung sind das rund 95 € je 1.000 € Umsatz.
Dem stehen die Fixkosten des eigenen Shops gegenüber. Beispiel: 1.490 € Einmalkosten, verteilt auf 24 Monate (rund 62 €), plus 49 € Hosting und Wartung ergeben rund 111 € im Monat. Ab etwa 1.170 € Monatsumsatz über den eigenen Shop sind die Gebühren dann niedriger als auf Etsy (Rechenweg: 111 € geteilt durch 95 € je 1.000 €). Das gilt nur, wenn dieser Umsatz tatsächlich im eigenen Shop ankommt.
Bringt ein eigener Shop überhaupt Käufer?
Nicht von allein. Etsys Gebühren bezahlen auch die Reichweite: Käufer suchen direkt auf dem Marktplatz, und Offsite Ads werben für dich. Ein eigener Shop startet ohne Besucher. Du brauchst Google-Sichtbarkeit, Social Media, einen Newsletter oder bezahlte Anzeigen. Werbekosten können die Gebührenersparnis schnell aufbrauchen.
Realistisch ist deshalb kein harter Wechsel, sondern ein Parallelbetrieb. Etsy bleibt Kanal für Neukunden, der eigene Shop wird zur Adresse für Stammkunden, Großbestellungen und Kunden, die dich über Instagram oder Märkte kennen. Erst wenn der eigene Shop verlässlich Umsatz bringt, lohnt es sich, das Etsy-Sortiment zu verkleinern.
Wie gehst du beim Umzug Schritt für Schritt vor?
Beim Thema Kundenliste ist Etsy streng. In der Verkäuferrichtlinie heißt es: „Ohne die Einwilligung des Käufers und vorbehaltlich anderer anwendbarer Gesetze und Etsy-Richtlinien darfst du ein Etsy-Mitglied nicht auf deine Mailing-Liste für E-Mail-Versand oder Versand auf dem Postweg setzen.“ Etsy untersagt außerdem jede Handlung, die eine Transaktion von der Plattform weg verlagern soll. Etsy-Käufer per Nachricht in deinen Shop zu schicken, ist also tabu.
Für deinen eigenen Newsletter brauchst du grundsätzlich eine Einwilligung. Die Ausnahme in § 7 Abs. 3 UWG für Bestandskunden greift nur, wenn du die E-Mail-Adresse selbst im Zusammenhang mit einem Verkauf erhalten hast, nur für eigene ähnliche Waren wirbst, der Kunde nicht widersprochen hat und du schon bei der Erhebung und bei jeder Mail auf das Widerspruchsrecht hinweist. Alle Rechtsangaben: Stand Oktober 2026, allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
- Etsy-Shop unverändert weiterlaufen lassen, Bewertungen und Ranking nicht gefährden.
- Eigenen Shop mit gleichem Sortiment, eigener Domain und eigenem Zahlungsanbieter aufsetzen.
- Impressum nach § 5 DDG, Widerrufsbelehrung (14 Tage nach § 355 Abs. 2 BGB), AGB und Datenschutzerklärung von einem Rechtstexte-Anbieter einbinden.
- Newsletter-Anmeldung mit Einwilligung im eigenen Shop starten und über eigene Kanäle wie Instagram, Verpackungsbeilagen bei Direktverkäufen und Märkte bewerben.
- Nach drei bis sechs Monaten Umsatz und Gebühren beider Kanäle vergleichen und erst dann über das Etsy-Sortiment entscheiden.
Welche Pflichtangaben braucht dein eigener Shop?
Im eigenen Shop bist du für Preisangaben, Versandkosten, Lieferzeit und Bestellbutton selbst verantwortlich. Eine Übersicht findest du unter Pflichtangaben im Onlineshop, die Gebühren der Zahlungsanbieter im Zahlungsanbieter-Vergleich.
Bei storeondemand kostet ein eigener Shop 1.490, 2.490 oder 3.990 € netto Festpreis, Stripe, PayPal, Mollie oder Klarna sind ohne Aufpreis anbindbar (Pakete hier).
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Weitere Fragen zum Thema Plattform und Zahlung
Quellen
- Etsy: Richtlinie zu Gebühren und Zahlungen (zuletzt aktualisiert 05.10.2026, abgerufen 14.10.2026)
- Etsy: Richtlinie für Etsy Payments (abgerufen 14.10.2026)
- Etsy: Verkäuferrichtlinie (abgerufen 14.10.2026)
- Stripe: Stripe Preise (abgerufen 14.10.2026)
- Bundesministerium der Justiz: § 7 UWG Unzumutbare Belästigungen (abgerufen 14.10.2026)
- Bundesministerium der Justiz: § 5 DDG Allgemeine Informationspflichten (abgerufen 14.10.2026)
- Bundesministerium der Justiz: § 355 BGB Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen (abgerufen 14.10.2026)